Kerzenlicht spiegelte sich in blank polierten Gläsern, romantische Blumengebinde krönten jede der Festtafeln, an denen die Gäste voller Erwartung Platz genommen hatten. 80 ausgewählte Verkoster aus Politik, Wirtschaft, Verwaltung und natürlich dem Gastgewerbe hatte Bodo Rückschlag, Geschäftsführer des Deutschen Hotel- und Gaststättenverbandes Prignitz (Dehoga) ins Wittenberger Restaurant „Zur alten Zellwolle“ eingeladen. Als prominenten Esser begrüßte er am Samstagabend unter anderem den Teamchef der deutschen Koch-Nationalmannschaft Uwe Scotland und den Ersten Beigordneten des Landkreises.
Zu diesem Zeitpunkt waren die 20 Wettbewerbsteilnehmer bereits zehn Stunden auf den Beinen. In den Vormittagsstunden stellten sich die Restaurantfachleute und Köche den kritischen Augen der Juroren. Letztere beobachteten haargenau, wie sich die Servicekräfte beim Filetieren einer Forelle anstellten und testeten zudem ihre Kenntnisse in Warenkunde. Als besondere Hürde mussten die Azubis gar mit verbundenen Augen schmecken, welche Getränke ihnen vorgesetzt wurden. Zum Abschluss schmückte jeder Kandidat seinen Tisch mit Blumen und anderer Dekoration. Das diesjährige Leitthema lautete „Hochzeitsjubiläen“.
Aus einiger Entfernung beobachtete auch Matthias Prestin das Geschehen. Der 21-Jährige stellte sich genau vor einem Jahr dem Wettbewerb der Restaurantfachleute und das mit durchschlagendem Erfolg. Erst holte er den Prignitz-Pokal, dann räumte er bei den Brandenburger Landesmeisterschaften ab und setzte noch eins drauf mit dem Sieg auf Bundesebene. „Wenn ich hier zusehe, spür’ ich das Kribbeln genauso, als würde ich selbst geprüft“, erzählte Prestin. Er will jetzt noch einen Lehrgang als Barkeeper machen.
Ein Stockwerk tiefer putzten die Jungköche eifrig Gemüse, schnitten Fleisch, rührten in Tiegeln und Töpfen. Loups-de-Mer, Rinderhesse sowie Brust von Hähnchen und Ente gehörten zu den festen Zutaten des Warenkorbs, aus dem sich die Auszubildenden für ihre Vier-Gänge-Menüs bedienen durften. Holger Stahl vom Prignitzer Kochverein hatte aber auch die Komponenten der einzelnen Speisen festgelegt. So sollte es als Entrée, Terrine, Sülze oder Farce geben, anschließend eine Kraftbrühe mit Einlage, als Hauptgericht Fisch oder Fleisch gefüllt sowie eine kalt-warme Dessertkreation.
„Wir sind sehr stolz sagen zu können, dass die Teilnehmerzahl in diesem Jahr besonders hoch ist“, freute sich Bodo Rückschlag. Ihm zufolge meldeten sich 28 Auszubildende aus 14 Prignitzer Häusern. Wegen des großen Andrangs entschloss sich die Jury zu einer theoretischen Vorprüfung. Die jeweils zehn Besten ihres Fachs wurden letztlich zu den Prignitzer Jugendmeisterschaften zugelassen.
Ob pochierter Wolfsbarsch, Rinderröllchen, Scharzwurzelsülzchen oder Bratbirne an Marzipanboden – den Gästen schienen die aufgetragenen Gerichte gut zu munden. Die Tischdekorationen fanden ebenso großen Anklang. „Es war so eine schwere Entscheidung“, sagte Simone Lossin, die als Mitglied der Gästejury die schönste Tafel auswählen sollte. Nicht zuletzt sollte auch das optisch reizvollste Menü mit dem Landratspokal belohnt werden.
Voller Stolz nahmen die prämierten Kreissieger die Glückwünsche der Veranstalter entgegen. Die jeweils vier ersten Gewinner aus Restaurantfach und Küche vertreten den Landkreis bei den 17. Brandenburgischen Meisterschaften im April in Teltow. (Von Dorothea von Dahlen MA)
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