Kulinarische Meisterwerke aus Sardiniens Pastaküche. I Culurgionis

2008- 25.May - 13.57 Clock - Henrik Schellhoss

Hier ist der nächste Klasiker von unserer freien Redakteurin Janny van Baars auf Sardinien. Vielen Dank für die Recherche und vielen Dank für die super Beiträge die wir von dir bisher erhalten haben.

Culurgionis

Jede Region Italiens hat ihre eigenen Teigwarenspezialitäten. Ob frisch oder getrocknet, kurz oder lang, mit oder ohne Füllung, minimalistisch oder besonders formschön, die Fülle der Pastavariationen ist kaum zu überschauen und je nachdem, wohin der nächste Italienenurlaub geht, gibt es ganz sicherlich, auch jenseits der beliebten Pastaklassiker, noch so einige außergewöhnliche Entdeckungen zu machen. Als leidenschaftlicher Pastafan möchte ich an dieser Stelle eine ganz besondere Nudel vorstellen, die es in meinem persönlichen “Pastaranking” bis ganz weit nach oben geschafft hat und die ich aufgrund ihrer üppigen Form und ihres Geschmacks zu den “Supermodels” unter den Pastasorten zählen möchte. Unser kulinarischer Ausflug geht auf den “Mittelmeerkontinent” Sardinien, wo uns eine ursprünglich recht arme und einfache Küche ein besonders reiches gastronomisches Erbe hinterlassen hat.

Die traditionelle, von Hand gemachte Pasta ist - auch heute noch  - ein wichtiger Bestandteil der Inselkultur. Das sardische Pastasortiment, wie es der ein oder andere in hiesigen Gefilden vielleicht schon einmal kennengelernt hat, mag auf den ersten Blick nicht allzu vielfältig erscheinen (Gnocchetti sardi, Ravioli), doch wer sich persönlich auf die Reise begibt, wird feststellen, dass es, abgesehen von den erstklassigen Zutaten, nicht nur sehr spezielle Arten der Pastazubereitung gibt, sondern das die Pasta von Ort zu Ort auch ihr ganz eigenes “Lokalkolorit” hat. Frisch zubereitete Culurgionis sind ein purer Genuss und bergen eine hohe Suchtgefahr in sich, denn die Geschmacksverbindung von Pastateig, gefüllt mit pürierter Kartoffel, sardischem Pecorino und Minze ist einfach umwerfend. Die feigenformartigen, bauchigen Raviolis mit ihrer dekorativen Zopfnaht (ähnlich dem Fischgrätenmuster) kommen ursprünglich aus einem Landstrich namens Ogliastra an der Ostseite Sardiniens. In den benachtbarten Gegenden u.a. gehören die Culurgionis ebenfalls zum kulinarische Repertoire und es haben sich hinsichtlich der Füllung sehr unterschliedliche Zubereitungsweisen entwickelt. Die Herstellung der Culurgionis ist sehr aufwending und erfordert viel Finterspitzengefühl, große Sorgfalt und einen langen Geduldsfaden.

Das A und O für ein Gelingen liegt in der richtigen Technik beim Verschließen der Culurgionis. Ihr Pastamantel sollte mit Daumen und Zeigefinger so zusammengezwickt werden, dass sich außer der Füllung keine Luft mehr im Inneren der Pasta befindet, um ein Zerfallen beim anschließenden Kochen zu verhindern. In ihrer Vollendung sind die Culurgionis echte Meisterwerke. Um ihren delikaten Geschmack voll zum Ausdruck zu bringen, verzichtet man auf gehaltvolle Saucen und bereitet entweder einen frischen Tomatensugo oder eine einfache Salbeibutter zu. Wem nun beim Lesen das Wasser im Munde zusammengelaufen ist oder wen das akutes Reisefieber gepackt hat, dem empfehle ich in naher Zukunft einen Ausflug auf die Insel der “tausend Köstlichkeiten” und für alle, die die Herausforderung annehmen möchten, finden im folgenden das Rezept (entnommen aus der Reihe:La Cucina Sarda, Band 2, hrsg. von L’Unione Sarda in Zusammenarbeit mit bekannten sardischen Köchen und Nonna Margherita Delogu Lixi)
 
Ich wünsche “buona fortuna e buon appetito”!   Hier gehts zum Rezept
 

Subject: Küchen der Welt

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